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Brauchen wir über 50 noch einen Notgroschen als Paar?

Häufig findet man Daumenregeln für die Berechnung des Notgroschens, wie zum Beispiel 3 Monatsgehälter. Aber gilt diese Regel auch noch, wenn ihr über 50 seid?

Mit Anfang 30 ist das Leben oft noch unkompliziert. Klar, mal geht die Waschmaschine kaputt oder das Auto braucht eine Reparatur. Ärgerlich, aber lösbar.

Mit 50+ sieht die Sache anders aus. Die Rente rückt näher. Vielleicht habt ihr schon konkrete Pläne: Frührente, Teilzeit, oder endlich das eigene Ding machen. Plötzlich spielt jede finanzielle Entscheidung eine größere Rolle – weil weniger Zeit bleibt, Fehler auszubügeln.

In diesem Artikel schauen wir uns deshalb die Jahre vor der Rente und den Übergang in den Ruhestand an: Was ändert sich beim Notgroschen? Braucht ihr mehr oder weniger? Und wofür eigentlich?

Notgroschen über 50 – was ihr wissen müsst

Bevor wir über den Notgroschen reden, noch ein Wort zur Rente: Wenn ich von “Rente” spreche, meine ich nicht das offizielle Rentenalter von aktuell 67 Jahren. Im Idealfall bestimmt ihr selbst, wann ihr in Rente geht. Das erfordert natürlich Planung – aber genau darum geht’s ja.

Auch die Idee von einem festen Rentenstichtag verwischt bei vielen Paaren. Manche planen eine Übergangsphase: Erst reduziert einer die Stunden, dann der andere. Oder ihr schaut euch rechtzeitig nach einer Beschäftigung um, die erfüllend ist und die ihr auch nach dem formalen Rentenalter fortsetzen könnt.

Die Höhe des Notgroschens zu berechnen, ist als Paar über 50 nicht ganz trivial. Die Daumenregeln von 3-6 Monatsausgaben finden wir zu pauschal – gerade in eurer Lebensphase.

👉 Unser Notgroschen-Rechner hilft euch bei der Berechnung. Im Rechner berücksichtigen wir auch Themen, die speziell für Paare über 50 wichtig sind.

Wofür braucht man einen Notgroschen? Was gehört nicht dazu?

Der Notgroschen deckt unvorhergesehene Notfälle ab. Alles was planbar ist, gehört nicht in den Notgroschen. Der Notgroschen muss außerdem kurzfristig zur Verfügung stehen.

Hier ein paar praktische Beispiele, die den Unterschied klar machen:

Das gehört in den Notgroschen

Das gehört nicht in den Notgroschen

  • Schicksalsschläge

    Beerdigungskosten von Angehörigen, gesundheitsbezogene Kosten, die die Krankenkasse nicht übernimmt – alles, was plötzlich kommt und teuer ist.

  • Altersvorsorge

    Das Schließen der Rentenlücke ist eine langfristig geplante Sache. Das ist kein "unerwarteter Notfall". Dafür habt ihr (hoffentlich) separate Rücklagen oder Investments.

  • Haustiere

    Ich bin immer wieder verwundert, wie hoch eine Tierarztrechnung selbst für Kleinigkeiten sein kann. Wenn euer Tier mit euch altert, steigt das Risiko für signifikante Rechnungen. Denkt über eine Haustierversicherung nach oder berücksichtigt dieses Risiko beim Berechnen eures individuellen Notgroschens.

  • Hohe Zahnarztkosten

    Im Idealfall habt ihr eine Zahnzusatzversicherung abgeschlossen. Wenn nicht, könnt ihr über den Notgroschen Rücklagen bilden. Implantate? Neue Kronen? Schnell sind da 5.000 Euro weg.

  • Unvorhergesehene Reparaturen

    Das Auto gibt den Geist auf. Die Heizung streikt mitten im Winter. Das Dach muss dringend saniert werden, weil ein Sturm Schaden angerichtet hat. Solche Dinge passieren – und wenn ihr über 50 seid, besitzt ihr oft mehr "Zeug", das kaputtgehen kann.

  • Wohnung altersgerecht umbauen

    Bodengleiche Dusche statt Badewanne, Treppenlift, breitere Türen – das kommt früher oder später. Das lässt sich planen. Ausnahme: Ein Unfall zwingt euch kurzfristig dazu. Dann seid ihr für euren Notgroschen dankbar. (Und vergesst nicht, Zuschüsse zu beantragen – die gibt's!)

  • Pflege von Angehörigen

    Müsst ihr eure Eltern plötzlich finanziell unterstützen? Oder kurzfristig einen Pflegedienst organisieren? Das kann teuer werden – und kommt oft schneller als gedacht. Der Notgroschen ist zur kurzfristigen Überbrückung gedacht, bis die Pflegekasse oder sonstige Versicherungen bezahlen.

  • Geplante Anschaffungen

    Neue Küche, neues Auto, Traumurlaub – all das gehört nicht in den Notgroschen. Dafür legt ihr separate Rücklagen an.

Die Rente kommt näher - warum ist ein solider Notgroschen jetzt besonders wichtig?

In der Lebensphase vor dem Ruhestand wird Vermögensschutz immer wichtiger. Ihr habt jahrzehntelang für die Rente vorgesorgt. Jetzt wollt ihr in den letzten Jahren der Erwerbstätigkeit keine bösen Überraschungen mehr haben.

Ein Notfall könnte jetzt eure sorgfältig geplante Altersversorgung empfindlich stören. Löcher, die jetzt entstehen, lassen sich häufig nicht einfach wieder füllen. Die Zeit, um sich finanziell zu erholen, wird knapper.

In den 30ern oder 40ern schützt der Notgroschen primär vor unvorhersehbaren Notfällen.

In den 50ern und 60ern nimmt der Notgroschen oft eine Doppelrolle ein:

  1. Liquidität bei Notfällen (wie immer)
  2. Schutz der Altersrücklagen vor Notfällen (neu!)

Was meine ich damit? Stellt euch vor, ihr habt 200.000 Euro in ETFs für die Rente angespart. Dann kommt ein teurer Notfall – und ihr müsst mitten in einem Börsencrash verkaufen. Schmerzhaft. Ein ausreichender Notgroschen verhindert genau das.

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Nach Renteneintritt: Kann der Notgroschen kleiner werden?

Gute Nachricht: Häufig ja!

Sobald ihr in Rente seid, fallen bei vielen Paaren einige Risiken weg:

  • Jobverlust ist häufig kein Thema mehr.
  • Einkommensausfall wird unwahrscheinlicher
    (Rente fließt relativ stabil, aber Einkünfte aus Vermietung und Kapitalerträgen können schwanken).
  • Große finanzielle Verpflichtungen
    (Immobilienkredit, Unterhalt) sind oft erledigt.

Aber: Zwei Dinge bleiben wichtig – und die besprechen wir jetzt.

1. Liquiditätssicherung

Au weia. “Liquiditätssicherung” ist ein Wortmonster. Es beschreibt aber ein wichtiges Prinzip.

Viele “Notfälle” müssen sofort bezahlt werden:

  • 2.000 Euro für die Autoreparatur
  • 1.000 Euro für die neue Brille (weil ihr euch draufgesetzt habt)
  • 3.000 Euro Handwerkerrechnung
  • Zuzahlungen für Medikamente oder Behandlungen

Ihr wollt also liquide sein und größere Rechnungen bezahlen können – auch wenn eure Renteneinkünfte grundsätzlich zum Leben reichen.

Gleichzeitig möchtet ihr nicht unnötig viel Geld “unproduktiv” auf dem Tagesgeldkonto haben.

Ihr möchtet auch nicht euer Konto überziehen und Dispozinsen zahlen (12% sind keine Seltenheit!) oder einen teuren Kredit aufnehmen. Ein Notgroschen ist fast immer sinnvoller.

2. Schwankungen bei Kapitalerträgen abfedern

Wenn Kapitalerträge und Verrentung von Vermögen ein wesentlicher Baustein eurer Altersvorsorge sind, würde ich dringend einen Notgroschen empfehlen.

Stellt euch vor: Ihr braucht kurzfristig 10.000 Euro für einen Notfall – und der Aktienmarkt ist gerade eingebrochen. Ihr müsst also Aktien, ETFs oder Fonds zu einem ungünstigen Zeitpunkt verkaufen.

Keine gute Vorstellung, oder?

Lösung: Euer Notgroschen bleibt auf dem Tagesgeldkonto. Eure Investments bleiben unangetastet, bis sich der Markt erholt hat.

Das ist übrigens auch der Grund, warum wir Rentner, die primär von Kapitalerträgen leben, eine Barreserve von mindestens 2-3 Jahren Ausgaben empfehlen. Klingt viel? Ist es auch. Aber es gibt euch enorme Sicherheit.

Wie viel Notgroschen braucht ihr konkret ab 50

Wie ihr schon gemerkt habt, gibt es darauf keine pauschale Antwort. 2-3 Monatsausgaben ist häufig die Daumenregel. Wir empfehlen aber dringend, hier einen individuellen Betrag festzulegen.

Warum ist das wichtig?

  • Jeder hat ein anderes Risikoempfinden und in einer Partnerschaft treffen zwei Risikoempfinden aufeinander. Ihr müsst also als Paar eure goldene Mitte finden.
  • Es ist ein Unterschied, ob man vor dem Rentenbeginn steht oder bereits in Rente ist und somit laufende Rentenbezüge hat.
  • Es ist ein Unterschied, wie man für das Alter vorgesorgt hat und wann man in Rente gehen will.

Holt euch unseren Notgroschen Rechner (den gibt es kostenlos). Er führt euch durch den Prozess und hilft euch, die richtigen Fragen zu stellen.

Aber Achtung: Es gibt keine mathematische Formel, die euch auf den Cent genau den optimalen Notgroschen berechnet.

Unsere Empfehlung: Macht eine erste Schätzung mit dem Notgroschen Rechner und fangt an, den Notgroschen anzusparen. Alle sechs Monate öffnet ihr euren Rechner wieder und überprüft eure Annahmen. Hat sich eure Situation geändert? Habt ihr eure Meinung zum Thema Frührente, Renteneintritt und Übergang geändert?

Weitere Faktoren, die eine Rolle spielen:

  • Spart ihr den Notgroschen gemeinsam oder getrennt an? Oder habt ihr einen gemeinsamen Notgroschen als Paar und zusätzlich einen individuellen Notgroschen, zum Beispiel wenn ihr ein Kind aus einer früheren Ehe habt.
  • Habt ihr Kinder, die noch von euch finanziell abhängig sind oder noch Unterstützung brauchen?
  • Seid ihr Immobilienbesitzer oder selbständig? Hier solltet ihr über zusätzliche Rücklagen nachdenken.
  • Angestellte über 50 Jahre: Häufig wird behauptet, dass man über 50 kaum noch einen Arbeitsplatz findet. Das würde ich so nicht unterschreiben, aber es dauert eventuell etwas länger und ist möglicherweise schwieriger als mit 30. Auch hier sollte man realistisch schätzen, ob ein höherer Notgroschen sinnvoll ist.

Häufig gestellte Fragen

Wir empfehlen den Notgroschen individuell zu berechnen. Jedes Paar ist anders. Als Daumenregel wird häufig 6-9 Monatsausgaben angegeben. Nutzt lieber unseren Notgroschen-Rechner, um eure persönliche Situation durchzurechnen.

Nach Renteneintritt kann der Notgroschen bei vielen Paaren reduziert werden. Zur Liquiditätssicherung und zur Abfederung von Schwankungen bei Immobilien- und Kapitaleinkommen empfiehlt sich jedoch weiterhin ein Puffer. Ihr könnt unseren kostenlosen Notgroschen-Rechner nutzen, um eure persönliche Situation durchzurechnen.

Der Notgroschen deckt kurzfristige, unvorhergesehene Notfälle ab und liegt auf dem Tagesgeldkonto. Die Altersvorsorge ist langfristig angelegt (ETFs, Renten, etc.) und dient dazu, euren Lebensstandard im Ruhestand zu sichern. Beides ist wichtig – aber getrennt voneinander!

Fazit: Notgroschen ab 50 – mehr Verantwortung, aber auch mehr Sicherheit

Mit 50+ ändert sich die Rolle des Notgroschens. Er schützt nicht nur vor Notfällen, sondern auch eure Altersvorsorge. Ihr habt mehr Risiken (Gesundheit, Pflege, Jobverlust), aber auch mehr Erfahrung und – hoffentlich – mehr finanzielle Mittel.

Die gute Nachricht: Wenn ihr jetzt einen soliden Notgroschen aufbaut, könnt ihr die nächsten 10-20 Jahre entspannter angehen. Ihr wisst, dass ihr gewappnet seid – egal was kommt.

Die noch bessere Nachricht: Nach dem Renteneintritt könnt ihr den Notgroschen oft wieder reduzieren. Dann habt ihr mehr Spielraum für die schönen Dinge im Leben: Reisen, Hobbys, Zeit mit den Enkeln.

Wie ist das bei euch? Habt ihr euren Notgroschen schon an eure Lebensphase angepasst? Schreibt es gerne in die Kommentare!

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  • Martina Prinz
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